Sonntag, 25. November 2018

I. AM. BACK.

Oder: Von meinem Kampf zurück zum Laufen...



Ich bin zurück! Ich laufe wieder!

Wie sehr habe ich mir in den letzten Monaten herbeigewünscht, hier schreiben zu können, dass ich wieder da bin! Wieder da auf den Straßen, den Wegen, den Laufstrecken. Wieder da am Rheinufer, meiner Lieblingslaufstrecke. Ich habe so oft davon geträumt und mir vorgestellt, wie es sein wird, wenn ich wieder laufen gehen kann. Natürlich zu Beginn nur langsam und nur kurze Strecken, denn wer mal so lange aus dem Lauftraining heraus war wie ich, weiß, dass der Weg zurück zur alten Form mühsam ist. Aber das alles spielt keine Rolle. Hauptsache Laufen!

Es war ein langer Weg zurück und ich bin noch nicht am Ziel. Meine Rückenbeschwerden sind noch nicht weg, aber ich bin auf einem guten Weg, was man schon daran erkennen kann, dass ich Rückenbeschwerden schreibe und nicht Rückenschmerzen. Was für ein Fortschritt! Vor einigen Wochen noch undenkbar.

Was ist seit dem Sommer passiert? Das in wenigen Worten zu beschreiben ist unheimlich schwer. In erster Linie Folgendes: Es wurde nicht besser. Es wurde einfach nicht besser mit meinen Gesäß- und Rückenschmerzen, deren Ursache ja in der Sehnenansatzentzündung am Trochanter Major liegen sollte. Jeder Tag war ein einziger Kampf, weil ich nicht sitzen konnte. Bereits nach wenigen Minuten hatte ich so starke Schmerzen im Gesäß und am Beckenansatz, dass an Sitzen nicht mehr zu denken war. Wer einmal versucht hat, seinen Alltag über die Bühne zu bringen und dabei möglichst wenig zu sitzen, weiß, wie schwierig das ist. Wir sitzen überall: im Büro, im Café, im Kino, zuhause... Und abends nach einem langen Arbeitstag möchte man sich ja auch gerne auf die Couch setzen, die Beine hochlegen und entspannen. Für mich wurde jeder Abend zuhause in der Wohnung zur Qual. Sitzen ging nicht, Liegen ging nicht. Ständig in der Wohnung herumlaufen ging aber auch nicht. Ich habe die meisten Abende unseres gigantisch guten Sommers entweder mit Bewegung verbracht (Spaziergänge am Rhein) oder mit Recherchen zu der Frage, was um alles in der Welt diese höllischen Gesäßschmerzen bei mir auslösen könnte. Ich habe herumprobiert, getestet, nachgelesen, gelockert, gedehnt, bewegt und vieles mehr.

An irgendeinem Sonntagmorgen im Hochsommer dann der Durchbruch:
Durch Zufall entdeckte ich einen Triggerpunkt am Quadratus lumborum (einem unserer tiefen Bauchmuskeln). Ich hatte mich bereits ganz viel mit Triggerpunkten und ihren Schmerzzonen befasst, weil ich die Vermutung hatte, dass Triggerpunkte in verschiedenen Muskeln möglicherweise die Ursache meiner starken Schmerzen sein könnten. Am Quadratus lumborum war ich zuvor auch schon gewesen, aber ohne Erfolg. Triggerpunkte sind jedoch - wie ich gelernt habe - ganz tückisch und fies. Um sie bzw. die von ihnen ausgelösten Satellitenschmerzen zu spüren und vor allem auch um die Punkte erfolgreich zu lösen, ist es wichtig, den Triggerpunkt im Muskel exakt im richtigen Winkel zu treffen, was beim Quadratus lumborum unfassbar schwierig ist. Denn er liegt sehr tief. Jedenfalls war das bei mir so.
Als ich jedenfalls an diesem Sonntagmorgen mal wieder auf der Yogamatte lag und versucht habe, Spannungsmuster in meinem Körper zu erkennen, traf ich mehr oder weniger zufällig exakt auf einen Triggerpunkt im Quadratus lumborum, mit dem ich meine höllischen Gesäßschmerzen zunächst provozieren und dann lösen konnte.
Ich kann mit Worten nicht beschreiben, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe! Dieses Gefühl, wenn höllische Schmerzen, die seit Monaten anhalten, sich von einer Sekunde auf die nächste um 70% reduzieren, ist unbeschreiblich!

Das war der Tag, seit dem ich wieder schmerzfrei sitzen kann. Ich konnte aber - und das war ja mein großes Ziel - noch nicht wieder schmerzfrei laufen. Jeder Laufversuch im Sommer, und war er auch noch so klein, endete mit einem Desaster. Nach wenigen Minuten meldete sich immer noch - nach wie vor - das rechte Knie. Es zwickte, es drückte, es schmerzte. Vor jedem Lauf war ich so hoffnungsvoll... und nach jedem Lauf am Boden zerstört. Immer wieder musste ich erfahren, dass mein Körper einfach nicht mehr laufen konnte. Der Gedanke, es einfach sein zu lassen und den Laufsport ad acta zu legen, kam trotzdem niemals, nein NIEMALS!, auf. Für mich gab es nur eine Option: Ich werde wieder laufen!

Da die Rückenschmerzen zwar rückläufig waren, ich aber immer noch mit schwankenden Rückenbeschwerden/Schmerzen/Verspannungen zu kämpfen hatte, lag die Vermutung nahe, dass die immer noch - wenn auch rückläufig - verspannte Muskulatur auch Ursache der Knieprobleme beim Laufen war. Es half alles nichts: Ich musste weiter an mir arbeiten.

Also blieb ich dem Yoga treu und machte hier große Fortschritte. Ich wurde flexibler und beweglicher, ich löste durch das Yoga Spannungen in der Muskulatur oder spürte erst durch bestimmte Yoga-Positionen, wo in meinem Körper noch Spannung sitzt. 
Ich machte eine Lauf-/Gang-/Kraftanalyse, die meine Unbeweglichkeit im oberen Rücken und meine Instabilität im Becken ans Tageslicht brachte. Es war aber auch nicht nur alles schlecht: Bei der statischen Körpervermessung stellte sich heraus, dass ich keinen Beckenschiefstand mehr habe. Ich reagierte zunächst ungläubig und erklärte der netten Sportwissenschaftlerin, dass das nicht sein könne und sie sich garantiert vermessen hat. Denn ich habe seit mindestens 20 Jahren einen Beckenschiefstand von 1cm. Aber es war tatsächlich so: Der Schiefstand war weg! Mein konsequentes Dehnen seit April hatte sich anscheinend ausgezahlt. Der Schiefstand war muskulär bedingt. Für mich eine unfassbare Diagnose, die mir half, positiv zu bleiben.


Dennoch hatte ich wenig später mit dem nächsten Rückschlag zu kämpfen: Je mehr ich die Muskulatur im unteren Rücken gelöst bekam, desto mehr Probleme bekam ich plötzlich im oberen Rücken. Ich bekam Schulter- und Brustschmerzen und musste feststellen, dass auch der obere Rücken komplett verspannt war. Meine gesamte linke Schulter war völlig unbeweglich, die Brustmuskulatur verkürzt, kurz gesagt: auch hier alles voller Dysbalancen. Ein Fass ohne Boden, so kommt es mir manchmal vor. 

Aber der Traum vom Lauf-Comeback blieb und so versuchte ich es immer wieder. Und irgendwann klappte es. Das Knie zickt nicht mehr herum und mittlerweile kann ich wieder kurze Läufe absolvieren. Nach ein paar Einheiten, die ich jetzt schon hinter mir habe, fühlt es sich auch nicht mehr so schwer und anstrengend an. Ich bin zwar noch sehr langsam unterwegs, aber das Gefühl der Leichtigkeit, das ich beim Laufen stets so geliebt habe, kehrt zurück. Jeder Läufer weiß, was ich meine. Denn: Darum laufen wir!



So sehr ich darauf brenne, jetzt wieder loszulaufen und mit dem "richtigen" Training zu beginnen, so leicht fällt es mir dennoch auch, genau dies (vernünftigerweise!) nicht zu tun. Eine Vorgehensweise, die ich mir vor einiger Zeit gar nicht zugetraut hätte. Aber ich habe während der letzten 12 Monate, die ich nun lauftechnisch komplett ausgeschaltet war, ein unheimlich gutes Körpergefühl entwickelt, und ich spüre, dass mein Körper noch nicht so weit ist. Er möchte langsam an das Laufen herangeführt werden. Viel wichtiger sind ihm im Moment noch die Yoga- und Stabi-Einheiten und - ganz wichtig! - das Dehnen. 

Es ist - bei derart komplexen Beschwerden, wie ich sie hatte - ja schwer, die eine Ursache dafür zu finden, wie es so weit kommen konnte. Vielleicht gibt es die eine Ursache auch nicht. Kein Arzt der Welt wird mir verlässlich sagen können, was Ursache dafür war, dass sich meine komplette linke Körperhälfte von Kopf bis Fuß verzogen und verspannt hat. Vielleicht war es an irgendeiner Stelle des Körpers irgendein verspannter Muskel, der - über Jahre - eine Kette ausgelöst hat - von unten nach oben, von oben nach unten oder von der Mitte aus in beide Richtungen. Das weiß niemand. Ich selbst weiß für mich, dass ich mir offenbar über Jahre ein Spannungsmuster in den Körper "gefressen" habe, das dieser irgendwann nicht mehr kompensieren konnte. Aber das ist meine eigene Analyse.


Ich habe meinen Frieden damit gefunden, dass ich, die eigentlich für alles immer eine Ursache und Erklärung möchte, die einzig wahre Erklärung, wie mein Schmerzbild entstanden ist, wohl nicht bekommen werde. Das ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist, dem Körper beizubringen, wie es sich anfühlen soll.
Exakt in dieser Situation befinde ich mich gerade: Der Körper lernt, die Spannung aus der Muskulatur zu lösen. Er kehrt häufig noch in sein altes Spannungsmuster zurück. Das ist das, was ich mit Rückenbeschwerden meine. Ich habe noch Schwachpunkte in der Muskulatur, die immer wieder noch zu Verspannungen führen. Ich spüre, dass mir funktionelles Training, Yoga und Dehnen unheimlich gut tun und mir helfen, meine muskulären Dysbalancen auszugleichen. Also bleibe ich dran und gehe dem nach. 

Aber das Schönste ist: Köln hat wieder eine Läuferin mehr!

4 Kommentare:

  1. Super dass es dir wieder gut geht und du das machen kannst und darfst was du liebst! Jetzt aber bitte nicht gleich übertreiben ;)

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    1. Lieber Markus, ich freu mich immer so über Deine Kommentare!! Auf diesem Weg dafür ein großes Dankeschön!! Es ist toll, dass Du immer schreibst! Danke!
      Ich verspreche, ich werde es nicht übertreiben ;-) Dass ich wieder laufen kann, ist für mich im Moment das Größte, viel wichtiger als irgendwelche Rennen oder ein gezieltes, ambitioniertes Training. Ich werde weiter an mir arbeiten, um den Rücken wieder topfit zu bekommen. Das ist mir enorm wichtig! Und das Laufen hilft mir abzuschalten und positiv nach vorn schauen zu können.
      Ich werde weiter berichten, wie es läuft und würde mich freuen, wenn Du meinen Weg weiterhin verfolgst.
      Vielen Dank und liebe Grüße
      Julia

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  2. Hallo Julia, das freut mich wirklich sehr zu lesen! Ich kann mir kaum vorstellen, wie es sich mit solchen Schmerzen über so lange Zeit leben muss. Wahrscheinlich wäre ich verrückt geworden. Aber schön, dass sich selbst dann immer wieder kleine Lichtblicke finden lassen und darüber dann nach und nach ein Ausweg. :) Magst Du vielleicht ein bisschen mehr darüber erzählen, welche Stabi- und Yoga-Übungen Du jetzt regelmäßig machst?

    Liebe Grüße

    Thomas

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    1. Hallo Thomas, ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Glaub mir, ich bin manchmal verrückt geworden. ;-) ... Aber es hilft ja alles nichts: Man muss immer weitermachen.
      Das ist eine gute Idee von Dir, ich schaue mal, ob ich einen Beitrag über mein Stabi- und Yoga-Programm verfasse.
      Generell hab ich Übungen mit dem eigenen Körpergewicht gemacht (also ganz simpel eigentlich): Planke in allen Variationen, Kniebeugen (beidbeinig und auch einbeinig), Ausfallschritte, Liegestütze etc.
      Und beim Yoga eigentlich auch ganz simple Dinge: Krieger, Taube... viele hüftöffnende Sachen... Das Internet ist voll davon.

      Viele Grüße Julia

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