Samstag, 24. Januar 2015

Rückblick: Mein Laufjahr 2014

Mein erster Marathon - die erste Verletzung

Wien: Am Tag vor dem Start
Ein Mal einen Marathon in einer Zeit von unter 04:00 Stunden finishen – dann bin ich eine gute Läuferin. Keine Ahnung, woher dieser abstruse Gedanke kommt, aber seit ich laufe, ist er da. Ich laufe schon seit einigen Jahren und jedes Jahr stehen verschiedene Straßenrennen auf dem Programm – über 10 Kilometer und die Halbmarathondistanz. An die 42,195 Kilometer habe ich mich aber nie herangetraut. Im Herbst 2013 dann das Schlüsselerlebnis: Mein Freund läuft den Frankfurt-Marathon. Als ich in der Festhalle seinen Zieleinlauf erlebe, denke ich: Das will ich auch! Und fasse den Entschluss: Im Frühjahr 2014 laufe ich meinen ersten Marathon. Einfach mal ausprobieren, ob die Distanz überhaupt etwas für mich ist. Vielleicht kann ich dann irgendwann auch eine Zeit unter 04:00 Stunden erreichen.

Also meldete ich mich gemeinsam mit meinem Freund für den Vienna City Marathon in Wien an. Die Vorbereitung lief gut. Die langen Läufe, an die ich mich langsam herantastete, absolvierten mein Freund und ich gemeinsam. Im Februar laufe ich bei einem Testwettkampf über die Halbmarathondistanz Bestzeit. Im März nehmen wir an einem Laufcamp auf Fuerteventura teil, das mich noch einmal richtig motiviert.

Am 13. April 2014 sollte es dann so weit sein: Die Bedingungen in Wien waren gut, der Start um 9 Uhr an der Reichsbrücke einfach ein Erlebnis! Zu Walzermusik schieben sich die Läufermassen der einzelnen Startblöcke nach vorne an die Startlinie. Die Stimmung ist super! Wir haben uns entschieden, mit einem Kilometerschnitt von etwa 5:40 min/km zu starten – der Schnitt, den man konstant laufen müsste, um unter 04:00 Stunden ins Ziel zu kommen. Ganz heimlich erhoffe ich mir doch, dass es vielleicht schon beim ersten Marathon klappen könnte. Das Training lief gut. Also habe ich mir die 5km-Zwischenzeiten auf einen kleinen Zettel geschrieben, den ich mir mit einer Sicherheitsnadel am Laufshirt befestige. Ich möchte kontrollieren können, wie weit ich bei den einzelnen 5km-Abschnitten von der Traumzeit entfernt bin. Und ich stelle mich darauf ein, dass ich irgendwann jenseits der 32 Kilometer nicht mehr in der Lage bin, zu rechnen.

Die 1. Hälfte vergeht wie im Flug. Wir laufen konstant, eher verhalten und genießen die Stimmung. Als wir die Halbmarathonmarke bei einer Zeit von 1:59:49h passieren, geht es mir super. Mein Freund merkt an, dass das Rennen jetzt erst beginnt. Jetzt kommt die 2. Hälfte und irgendwann wird es wehtun, sagt er. Bei Kilometer 25 haben wir ein bisschen Zeit auf den 5:40er-Schnitt herausgelaufen. Bei Kilometer 28 trennen wir uns dann. Mein Freund will locker und entspannt zu Ende laufen, vor allem den Zieleinlauf auf dem Heldenplatz genießen, während ich immer noch die Zielzeit unter 4:00 Stunden vor Augen habe. Sie ist möglich. Mir geht es gut. Trotzdem ziehe ich nicht an, sondern laufe konstant weiter. Bei Kilometer 32 schießt mir durch den Kopf: Noch 10 Kilometer. Meine Abendrunde am Rhein in Köln ist so lang. Das schaffe ich locker. Mir geht es immer noch gut. Zu dem Zeitpunkt kann ich nicht nachvollziehen, was ich von vielen Marathonläufern über das letzte Drittel des Rennens gehört habe, dass es nämlich irgendwann hart wird. Was haben die bloß alle, denke ich.
Zwei Kilometer später, bei Kilometer 34, kommt die Quittung: Schlagartig geht es mir schlecht. Und jetzt weiß ich, was der Marathonläufer meint: Meine Muskulatur will einfach nicht mehr. Ich habe genug gegessen und getrunken, das ist nicht das Problem. Aber ich bekomme die Beine einfach nicht mehr von der Straße. Mir tut alles weh. Ein Blick auf die GPS-Uhr zeigt schnell: Ich werde immer langsamer. Wenn Du Dich jetzt nicht zusammenreißt, vergeigst Du die Traumzeit auf den letzten 8 Kilometern, sage ich mir. Das kann doch nicht sein! Also beiße ich die Zähne zusammen und schäme mich für meine Arroganz bei Kilometer 32, als ich dachte, ich würde die letzten 10 Kilometer mal eben so locker zu Ende laufen können. Ich halte mir vor Augen, wie viel ich trainiert habe und wie gut es bisher lief. Und dass ich um keinen Preis langsamer laufen werde, egal wie weh es tut. Es funktioniert: Am Ende kann ich den Kilometerschnitt halten.

Der Einlauf auf dem Heldenplatz ist einfach unbeschreiblich! Mit einer Zeit von 03:57:36h laufe ich über die Ziellinie und bin überglücklich. Mein Traumziel habe ich erreicht. Eigentlich war es das perfekte Rennen, auch wenn mir alles wehtut. Ich kann kaum laufen.

Für den Abend haben wir uns zum Essen ein Restaurant ausgesucht, das nur 200 Meter von unserem Hotel entfernt liegt, damit wir nicht so weit gehen müssen. Nur ein kleines Stück bergauf. Auf dem Heimweg – das kleine Stück bergab – ernten wir teils unverständliche, teils belustigte Blicke von Passanten. Die Beine schmerzen so sehr, dass Bergablaufen und Treppen hinunter zum Problem werden. Egal, das war es wert.

Zwei Tage später, als die Schmerzen in den Beinen nachlassen, spüre ich plötzlich starke Schmerzen im linken Fuß, die trotz Laufpause einfach nicht nachlassen wollen. Erst denke ich, das geht vorbei, dann gehe ich doch zum Arzt. Die Diagnose: Längsriss und Entzündung an der tibialis posterior Sehne. Vermutlich hat sich die Verletzung schon in der Vorbereitung eingeschlichen, ohne dass ich es gemerkt habe. Der Marathon hat meinem Fuß dann den Rest gegeben. Nur pausieren hilft nicht, also bekomme ich einen Plastikgipsschuh, um den Fuß möglichst nicht zu belasten. Ich bin total frustriert. Ich war noch nie zuvor verletzt und kann mit der Zwangspause überhaupt nicht umgehen. Jeder Gedanke dreht sich darum, wann ich wieder laufen kann.

Als ich nach Wochen endlich wieder mit dem Training beginnen darf, ist es nicht wie vorher. Ich spüre den Fuß bei Belastung und kann nur kurze Laufeinheiten machen. Immer wieder Rückschläge, weil der Fuß einfach nicht so will wie ich. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Stabilisations- und Kräftigungsübungen helfen mir schließlich und irgendwann wird es besser. Um neue Motivation zu schöpfen, melde ich mich im September bei einem Laufkurs an. Hier stehen ebenfalls Stabilisationsübungen, aber auch Tempoeinheiten auf dem Programm – Dinge, die ich bislang im Training immer vernachlässigt habe. Es macht großen Spaß und mein Fuß verkraftet das Training gut. Ich spüre ihn immer seltener.
Im November melde ich mich spontan bei einem Herbstlauf über 10 Kilometer an. Ich will einfach mal sehen, wo ich stehe. Und prompt laufe ich Bestzeit! Ich kann es kaum fassen - nach nur zwei Monaten Training! Aber die Veränderung mit dem wöchentlichen Intervalltraining hat mich schneller gemacht.
An meine alten Laufumfänge bin ich zwar noch nicht wieder ganz herangekommen. Aber es wird immer besser. Im Frühjahr 2015 werde ich mich am Berliner Halbmarathon versuchen. Für einen Marathon ist es noch zu früh.
 
Mein Fazit für das Laufjahr 2014: Verletzungspech, persönliches Läuferglück und Bestzeiten liegen oft ganz nah beieinander. Es lohnt sich immer, niemals aufzugeben!

4 Kommentare:

  1. Ein interessantes Laufjahr und eine realistische Einschätzung. Ich wünsche dir viel Erfolg bei der HM Vorbereitung.

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    1. Vielen, vielen Dank für die guten Wünsche! Ich habe mich wirklich riesig darüber gefreut. Bislang läuft die Vorbereitung ganz gut. Ich hoffe, dass es so weitergeht und freue mich schon auf Berlin.

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  2. was hatte ich für eine Eingebung als ich diesen Beitrag hier auf deinem Blog gelesen hab....mensch das hast du doch schon mal gelesen dachte ich...:D Hat etwas gedauert bis ich 2 und 2 zusammen gezaehlt und die letzte Runners World rausgekramt habe:-)
    Hoffe deine aktuelle Verletzung heilt schnell aus und das du am WE fit sein kannst!

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  3. :-) Richtig! :-) Der Beitrag war (verkürzt) in der Runner's World. :-)
    Vielen lieben Dank für Deine guten Wünsche, das baut auf.
    Am Wochenende bin ich leider raus. :-( Der Berliner HM wird nicht möglich sein, aber die Gesundheit geht vor.

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