Freitag, 13. November 2015

Lauftraining auf den Malediven???

Zwei Wochen mitten im Paradies


Auf unseren Malediven-Urlaub hatte ich mich schon lange gefreut – weil er nämlich so anders werden sollte als alle bisherigen Urlaube: eine kleine Insel mitten im Ari-Atoll, ein Strandbungalow unter Palmen mit einer Terrasse, die nur wenige Schritte vom Meer entfernt liegt, idyllische Ruhe und traumhaftes Wasser mit bunten Fischen. Genau das Richtige, um dem tristen November in Deutschland zu entkommen und um mal völlig zu entschleunigen. In den letzten Monaten hatte ich nämlich das Gefühl, das ich vor lauter Terminen, Arbeitsstress und vielen anderen Dingen verlernt hatte, mich entspannen zu können. Einzig beim Laufen gelang es mir manchmal noch, so richtig abzuschalten…

Stichwort Laufen: Mein Lauftraining ist mir so unendlich wichtig, das ich auch im Urlaub nie darauf verzichten möchte. Im Gegenteil: Im Urlaub kann ich manchmal Trainingseinheiten absolvieren, die ich im beruflichen Alltag gar nicht hinbekomme, höchstens mal am Wochenende. Das gilt insbesondere für jegliche Form von schnellen Einheiten, die meinen Körper doch ganz schön fordern. Wenn ich versuche, solche Einheiten im Modus des Berufsalltags zu absolvieren, bekomme ich oft muskuläre Probleme, weil mir einfach die Zeit für ausreichende Regeneration fehlt. Und was dann steigt, hab ich schon oft genug erlebt: das Verletzungsrisiko.

Wie bekommt man aber jetzt einen Malediven-Urlaub und Lauftraining unter einen Hut? Wie soll ich auf einer kleinen Insel mein Training absolvieren? Es mag dämlich klingen, aber diese Frage war im Vorfeld immens wichtig für mich. Hatte ich doch geplant, die Laufsaison 2015 am 21. November noch mit dem Herbstlauf in Porz und einer passablen 10km-Zeit abzuschließen. Und daher wusste ich, dass ich es auf einer kleinen Insel nur würde aushalten können, wenn ich dort laufen kann, so doof es auch klingen mag. Andere würden wahrscheinlich sagen, „Du hast Probleme“, aber mir war es wichtig. Und eine kleine Insel sollte es wiederum auch sein, denn ich wollte, dass sich der Urlaub auf den Malediven im Rest von all den anderen Urlauben unterscheidet, die ich bislang gemacht hatte. Wenn schon Malediven, dann richtig.

Bei der Planung und Vorbereitung der Reise fanden wir nach einiger Suche eine kleine Insel, die genauso war, wie wir uns es vorgestellt hatten – und: mit Mini-Fitnessstudio. Ausweislich der Fotos, die Gäste bei einem der üblichen Hotelbewertungsportale eingestellt hatten, sollten sich in diesem Fitnessstudio ein Laufband, ein Crosstrainer, ein Fahrradergometer und einige Hanteln befinden. Passt. Mir würde schon das Laufband reichen. Hoffentlich ist es funktionstüchtig und nicht defekt, wenn wir da ankommen, dachte ich.
Vorsorglich habe ich mir in meinen Koffer noch eine Yogamatte, ein Springseil und meine Schwimmsachen gepackt. Notfalls würde ich mein Ausdauertraining eben ins Wasser verlagern und – wie die Triathleten es ja eh machen – Schwimmeinheiten im Meer absolvieren müssen.

Aber das Laufband funktionierte und der Urlaub war einer der besten, die wir je gemacht haben. Die Malediven sind genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Schon der Flug von Male mit dem Wasserflugzeug zu dem Atoll war ein Erlebnis. Von oben sehen die vielen kleinen Inseln aus wie das Paradies... Und es ist das Paradies! Nach nur wenigen Tagen war ich komplett entspannt und habe den Urlaub vollends genießen können. Dabei trug die Möglichkeit, auf dem Laufband trainieren zu können, zu meiner inneren Ausgeglichenheit bei.

Bei der Erkundung der Insel nach unserer Ankunft hatte ich kurz mit dem Gedanken gespielt, mir auch Alternativen zu dem Laufbandtraining zu suchen, wie z.B. den ca. 300 Meter langen Steg entlang der Wasserbungalows für ein High Potential Training mit 100m-Sprints zu missbrauchen: am besten morgens um halb sechs. Ich musste doch ziemlich schmunzeln, als ich mir vorstellte, wie ich in morgendlicher Frühe mit meinen Schritten auf dem Steg wahrscheinlich die gesamte Insel aufwecken würde: pam, pam pam... Immer den Steg hinauf und hinunter. Davon habe ich dann doch mal abgesehen, zum einen wegen des doch sehr tropischen Klimas (Lauftraining draußen war für mich unvorstellbar, es war einfach zu heiß und zu feucht), zum anderen weil mich dann vermutlich nicht nur die anderen Gäste, sondern auch das Hotelpersonal für komplett bescheuert gehalten hätten.

Also habe ich auf dem Laufband trainiert und es als Herausforderung betrachtet, das Training möglichst abwechslungsreich zu gestalten, damit es nicht zu eintönig wird: Neben den wichtigen Einheiten im GA 1-Bereich (eine Stunde auf dem Laufband in langsamen Tempo) habe ich Tempoeinheiten eingebaut und diese variiert:

    •    6 x 1000 m im Wettkampftempo; Pause: 2:30 min zwischen den Intervallen (zzgl. Ein- und Auslaufen)
    •    Tempopyramide: 1 km, 2 km, 2 km, 1 km; Pause: 2 min nach 1 km, 4 min nach 2 km; Tempo: die 1 km etwas schneller als die 2 km
(zzgl. Ein- und Auslaufen)
    •    3 x 1600m im Wettkampftempo; Pause: 4 min nach jedem Intervall
(zzgl. Ein- und Auslaufen).

Nach meinen langsamen Trainingseinheiten habe ich mir Zeit für das Rumpf- und Stabi-Training genommen: Dinge, die ich zuhause gerne vernachlässige. Die Idee, eine dünne Yogamatte mit in den Koffer zu packen, hat sich hier ausgezahlt. Ein paar Übungen, wie Ausfallschritte, ließen sich auch trotz der tropischen Temperaturen, gut am Strand absolvieren. Und ganz nebenbei hat das viele Barfußlaufen noch meine Fußmuskulatur gekräftigt. Denn feste Schuhe habe ich tatsächlich nur während des Trainings auf dem Laufband getragen. Ansonsten war – mit Ausnahme von Flip Flops zu den Mahlzeiten im Restaurant – Barfußlaufen angesagt.


Und noch einen Vorteil hatte das Laufbandtraining: Das kleine Fitness-Studio war komplett verspiegelt, auch das Laufband stand direkt vor dem Spiegel. Ich habe die Einheiten daher ebenfalls genutzt, um mal kritisch meinen Laufstil zu betrachten - sowohl von vorne als auch von der Seite, insbesondere die Armhaltung. Ich habe mir angeschaut, wie sich diese verändert: Wie bewege ich die Arme bei einem 6min/km-Schnitt, wie bei einem Tempo von 4:30min/km? Wie fühlt es sich an, wenn ich die Arme ganz bewusst mal ganz entspannt bewege? Das hat großen Spaß gemacht und hat mir einiges an Erkenntnis gebracht. Sieht man sich doch sonst beim Laufen nie selbst zu.

Nach zwei Wochen im Paradies sind wir jetzt wieder in der Heimat angelangt. Nächste Woche steht das 10 km-Rennen in Porz an. Ich freue mich drauf, weil ich im Urlaub nicht auf mein geliebtes Training verzichten musste, und wünsche mir, dass meine Urlaubsentspannung noch so lange anhält, dass ich das Rennen in Porz entspannt laufen und genießen kann. Und dann schauen wir einfach mal, was am Ende auf der Uhr steht...

2 Kommentare:

  1. Welch Traumurlaub. Und welch gute Idee Sport in dieser traumhaften Umgebung zu tätigen. Viel Spaß und Erfolg nächste Woche!

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    1. Vielen Dank! Ja, der Urlaub war schon wirklich perfekt. Vor allem eine gute Möglichkeit, neue Kraft zu tanken und entspannt zu trainieren. Ich genieße es immer, wenn ich meine Trainingseinheiten im Urlaub absolviere - egal wo. Weil man dann einfach mehr aus sich herausholen kann. Mal gucken, ob ich am Samstag in Porz noch mal eine gute Zeit auf den 10 km hinlegen kann.

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